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Der Geeignetste für die Leitung des Gebetes

Imam Ala'uddin Abu Bakr al-Kasani (Übersetzt von: E. Dana) / 29.11.2015

Frage:

Wer eignet sich bei einem Gemeinschaftsgebet (salat al-jama) am besten für die Leitung (Imam) des Gebets?

Antwort:

Der freie Mann ist geeigneter das Gebet zu leiten (awla noö o,a,aj) als der Sklave; der Fromme (Taqi) ist geeigneter als der Frevler (fasiq); die Person, die sehen kann, ist geeigneter als der Blinde;
derjenige, der rechtmäßiger Herkunft ist, ist geeigneter als das außereheliche Kind; ein Stadtbewohner ist geeigneter als ein Bauer (a'arabi).

Aber die Person, die am qualifiziertesten unter all den Erwähnten ist, ist die Person, die am kenntnisreichsten von der Sunnah ist; und [dann] der Gottesfürchtigste, überaus Fromme (war'a);
und [dann] die Person, die den Qur’Án am besten rezitiert (aqra'uhum); und [dann] der Älteste unter ihnen.

Ohne Zweifel, wenn all diese Eigenschaften bei einer Person gefunden werden, dann ist sie die qualifizierteste Person, um das Gebet zu leiten, denn wie wir erklärt haben, basiert imÁmah oder die Führung im Gebet auf Überlegenheit und Vollkommenheit der Tugendhaftigkeit (fadila, kamal); Daher ist derjenige, der diese Eigenschaften in sich vereint, der am meisten Anerkennung verdienende unter den Menschen (akmal al-nas).

[Begründung für das Obige]

Was Wissen, Frömmigkeit und das Rezitieren des Qur’Án betrifft – es ist offensichtlich, eine weitere Ausarbeitung wird nicht benötigt.

Was das Alter angeht: der Ältere ist geeigneter – dies ist deshalb so, da die Gehorsamkeit und Standhaftigkeit im Islam desjenigen größer ist, der länger im IslÁm gelebt hat [daher der Vorrang].

Weiterführend ist die Person, die am kenntnisreichsten von der Sunnah ist, geeigneter, wenn sie den Qur’Án auf solch eine Art und Weise rezitieren kann [mit dem Minimum an tadschwÐd], dass das Gebet gültig ist. Er *2 hat dies in dem Kapitel des Gebetes (kitab al-salah) erwähnt und gab demjenigen den Vorzug, dessen Rezitation besser ist. Er sagte: „Der Führer im Gebet sollte derjenige sein, der das Buch AllÁhs am besten rezitiert, derjenige, der am kenntnisreichsten von der Sunnah ist, derjenige, der am frömmsten ist, derjenige, der am ältesten in der Gruppe ist.‚. Die Grundlage für diese Anordnung ist der Hadith von Ibn Mas'ud al-Ansari (radiyallahu'anhu), der von Rasulullah (sallallahu 'alayhi wa sallam) berichtet, dass er gesagt hat:

„Lasst die Person, die das Buch AllÁhs am besten rezitiert, die Gemeinschaft im Gebet leiten; Wenn sie gleich sind [in dieser Fähigkeit], dann die Person, die am kenntnisreichsten von der Sunnah ist; Eenn sie gleich sind, dann denjenigen, der am frühesten ausgewandert ist (aqdamuhum hidschratan); Wenn sie [darin] gleich sind, dann den Älteste unter ihnen; Wenn sie [darin] gleich sind, dann denjenigen mit der besten Moral, den Tugendhaftesten; Wenn sie [in alldem] gleich sind, dann denjenigen mit dem strahlendsten Gesicht (ashbahahum wadschhan)."

Folglich gibt es einige unter den Meistern (mashayikh), die den Hadith wörtlich verwendeten und dem besseren Rezitierer Vorzug vor dem Gelehrten der Sunnah gaben, da der Prophet (sallallahu 'alayhi wa sallam) dies so anordnete.

Aber die richtigere Meinung ist die, dass der Gelehrte der Sunnah geeigneter ist, WENN er den Qur’Án mindestens so rezitieren kann, dass sein Gebet gültig bleibt. Und daher wird dies in Berichten (athar) von Abu Hanifa erwähnt, weil das Gebet vom Wissen abhängt, nachdem die Mindestanforderungen der Rezitation erfüllt sind. Dies ist so, da jedes Problem im Gebet leichter durch Wissen gelöst werden kann. Selbst die richtige Rezitation hängt vom Wissen ab, so dass jemand unterscheiden kann, welcher Fehler sein Gebet ungültig macht und welcher nicht. Je umfangreicher das Wissen einer Person also ist, umso qualifizierter ist sie, das Gebet zu leiten.

Diese Regel ist so tiefgehend, dass einige gesagt haben, dass beim Auswählen zwischen einem Gelehrten, der sich nur von den offensichtlichen Abscheulichkeiten (fawahish al-zÁhira) zurückhält und dem Rezitator, der weitaus frömmer ist [der sich auch von makrÙh fermhält], der Erstere immer noch geeigneter ist um das Gebet zu leiten.

Mit der Ausnahme jedoch, dass der Prophet (sallallahu 'alayhi wa sallam) dem Rezitator den Vorzug gab, denn zu dieser Zeit waren diejenigen, die die besseren Rezitatoren waren, auch am kenntnisreichsten unter den Leuten bezüglich der Bedeutungen des Qur’Án und seiner Gesetze. Aber heutzutage kann jemand hochqualifiziert in der Rezitation sein, aber überhaupt kein Wissen haben; Deshalb ist der Gelehrte [in so einem Fall wie bei uns] geeigneter, um das Gebet zu leiten.

Wenn zwischen mehreren Gelehrten ausgewählt werden soll, dann der Frömmste von ihnen, denn nach einem Minimum an akzeptabler Rezitation und dem Wissen kommt die Frömmigkeit, welche sehr erwünscht [bei einem Führer] ist.

Der Prophet (sallallahu 'alayhi wa sallam) sagte: „Wer auch immer hinter einem frommen Gelehrten gebetet hat, ist wie derjenige, der hinter einem Propheten gebetet hat."

Die nächsten in der Reihenfolge im Hadith sind diejenigen, die ausgewandert (hidschra) sind, denn zu dieser Zeit war die Auswanderung nach Madinah Pflicht. Dies wurde dann durch seine (sallallahu 'alayhi wa sallam) Aussage aufgehoben: "Es gibt keine Hidschra mehr nach dem Sieg." Die Frommen haben auch aufgrund ihrer Auswanderung von Sünden und Fehlern [zur Rechtschaffenheit] Vorrang.

Wenn sie in der Frömmigkeit gleich sind, haben diejenigen, die das Buch AllÁhs am besten rezitieren können, Vorrang, aufgrund der Aussage des Propheten (sallallahu 'alayhi wa sallam): „Die Leute des Qur’Án sind die Leute AllÁhs und Seine Elite.‚
Wenn sie gleich in ihrer Fähigkeit zu rezitieren sind, dann wird der Älteste von ihnen bevorzugt, aufgrund der Aussage des Propheten (sallallahu 'alayhi wa sallam): „Die Älteren, die Älteren."

Wenn sie das gleiche Alter haben, dann wird derjenige mit dem schönsten Charakter bevorzugt, denn das Besitzen eines guten Charakters ist verdienstvoll und die Führerschaft im Gebet basiert auf Verdienst.

Wenn sie gleich [darin] sind [einen vornehmen Charakter zu haben], dann wird der der Hübschere von ihnen bevorzugt, da die Menschen hübsche Leute mögen und [es deshalb mögen] hinter ihnen zu beten. Einige haben gesagt: „Der Hadith: "der ein schöneres Gesicht hat" bezieht sich eigentlich auf jemanden, der viele Facetten einer bestimmten Thematik kennt. So wie die Redewendung lautet, ‚Eine Facette (wadschh) von dieser speziellen Angelegenheit ist daher...‘ etc."

Einige andere sagten: [Eigentlich ist] eine Person [gemeint], die freiwillige Gebete in der Nacht betet, wie in dem Hadith berichtet wird: „Wer auch immer seine Gebete in der Nacht vervielfacht, dessen Gesicht wird am Tag strahlender."

Es ist nicht notwendig, eine erzwungene Erklärung zu finden, da die offensichtliche Bedeutung ausreicht, wie wir zuvor erklärt haben [es ist natürlich für die Menschen, sich von hübschen
Leuten angezogen zu fühlen]. Einer der Gründe den Aimmah [in Reihenfolge] den Vorzug zu geben, ist, dass eine bessere Person der Grund für eine größere zum Gottesdienst versammelte Gemeinde ist, daher wird [der Hübschere] eine bessere Wahl sein.

Es ist unerwünscht für einen Gast, das Gebet in dem Zuhause eines anderen Mannes ohne die Erlaubnis des Hausherrn zu leiten. Der Prophet (sallallahu 'alayhi wa sallam) sagte:

„Ein Mann sollte nicht im Herrschaftsgebiet eines anderen das Gebet leiten; Und lasst ihn sich nicht an seines Bruders Platz setzen [ohne seine Erlaubnis], denn er kennt die Angelegenheiten seines Hauses, die für andere nicht zu erkennen sind."

Denn ein Mann weiß, was seine Familie und Verwandten fühlen und es ziemt sich nicht für eine Person vornehmen Charakters, anders zu handeln. Wenn er die Zustimmung gibt, so gibt es in diesem Fall nichts daran auszusetzen. ImÁm MuÎammad erwähnte dies an anderer Stelle: Wenn der Gast der König ist, so ist es ihm erlaubt, das Gebet ohne Erlaubnis des Hausherrn zu leiten, da die Erlaubnis für solch einen Gast schon bewiesen wurde, so, als wenn es eine Erlaubnis durch Urkundenbeweis wäre. Denn der König hat das Recht darauf, Führer zu sein, wo auch immer er [in seinem Herrschaftsgebiet] hingeht, was nicht auf andere zutrifft; Deshalb kann ein König das Gebet als Gast ohne die Erlaubnis des Hausherrn leiten.

Allah Ta`ala weiß es am besten.

*2 Wahrscheinlich der Autor des Originals tuhfat al-fuqaha, von dem dieses Buch eine Exegese ist.

Quelle(n):

www.ahlu-sunnah.de:
www.ahlu-sunnah.de

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