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Die Sunnah-Handlungen und Verhaltensregeln des Wudu

Mohammad Haddad / 28.06.2015

Frage:

Was sind die Sunnah-Handlungen und Verhaltensregeln (ādāb) der kleinen rituellen Waschung (wuḍūʾ/abdest)

Antwort:

Zu den Sunnah-Handlungen des wuḍūʾ gehört folgendes:

  1. Zu den guten Verhaltensweisen [ādāb] und zur Sunnah gehört es, die Gebetsrichtung [qiblah] einzunehmen. Dies bezieht sich jedoch auf die freie Öffentlichkeit, in welcher man sich frei richten kann, und nicht auf Situationen, in welcher man sich etwa aufgrund der soliden Platzierung eines Waschbeckens nicht frei richten kann.
  2. Im Falle, das wuḍūʾ im Badezimmer zu vollziehen, sagt man beim Betreten des Bades ,,bismillāh" und anschließend ,,Allāhumma innī aʿūḏu bi-ka mina l-ẖubuṯi wa-l-ẖabāʾiṯ".
  3. Die Absicht für die Sunnah-Handlungen, bevor man anfängt diese durchzuführen, im Herzen zu vergegenwärtigen und sie mit der Zunge auszusprechen. Wenn man nur die verpflichtende Absicht vergegenwärtigt, nämlich beim Waschen des Gesichts, so wird man für die Sunnah-Handlungen [etwa für das Waschen der Hände, Ausspülen von Mund und Nase] nicht belohnt.
  4. Anschließend sagt man vor dem Beginn der Vollziehung des wuḍūʾ: ,,Aʿūḏu billāhi mina š-šayṭāni r-raǧīm" (istiʿāḏah),
  5. Sodann sagt man die basmalah (Bismillāhi r-raḥmāni r-raḥīm). Das Minimum ist ,,bismillah", jedoch ist es optimal, die basmalah in ihrer ganzen Form auszusprechen. Man kann der basmalah folgendes hinzufügen: „Al-ḥamdu li-llāhi ʿalā l-islāmi wa-niʿmatih. Al-ḥamdu li-llāhi llaḏī ǧaʿala l-māʾa ṭahūran wa-l-islāma nūran. Rabbi ʾaʿūḏu bi-ka min hamazāti š-šayāṭīni wa ʾaʿūḏu bi-ka rabbī an-yaḥḍurūn".
    Wenn man die basmalah vergessen hat zu sagen und sie einem während des wuḍūʾ wieder einfällt, während man sich etwa die Ellenbogen wäscht, so kann man sie [d.h. die basmalah] hier nachholen, indem man ,,bismillāh awwalahu wa-āẖirahu" sagt. Wenn man das wuḍūʾ jedoch beendet hat und und es einem z.B. auf dem Weg zur Moschee erst wieder einfällt, so kann man sie nicht nachholen, da die Handlung [d.h. das wuḍūʾ] bereits abgeschlossen ist.
  6. Nun reinigt man sich die Zähne mit Miswāk. Man hält das Miswāk mit der rechten Hand und putzt die Zähne [gemäß der šāfiʿītischen Rechtsschule] horizontal, und anschließend die Zunge, diese jedoch vertikal. Das Miswāk ist auch durch eine normale Zahnbürste ersetzbar. Bzgl. dessen, ob man das Miswak vor oder nach dem Händewaschen benutzt, herrscht in der šāfiʿītischen Rechtsschule ein Meinungsunterschied, sodass beides möglich ist.
  7. Man wäscht dann die Hände drei Mal[1] bis zu den Handknöcheln. Hierbei ist es Sunnah, mit den nassen Fingern an den Fingerzwischenräumen entlang zu gehen. Wenn man an den Händen Unreinheiten (naǧāsah) hat, wird das Waschen der Hände [um die Unreinheiten zu beseitigen] zur Pflicht.
  8. Im Anschluss an das Waschen der Hände spült man sich Mund und Nase aus. Man nimmt etwas Wasser in die rechte Hand, zieht davon etwas in den Mund und den Rest in die Nase und spült diese dann wieder heraus. Es ist Sunnah, den Mund stark auszuspülen und so viel wie möglich [im Mund und in der Nase] zu erreichen [außer man fastet, in welchem Fall man eher vorsichtig vorgeht]. Diesen Vorgang wiederholt man man drei Mal. Man kann auch erst den Mund drei Mal ausspülen und dann jeweils mit dem Restwasser die Nase.
  9. Nachfolgend wäscht man sich das Gesicht drei Mal. Es ist Sunnah, jedes Mal an der oberen Hälfte des Gesichtes zu beginnen, sodass das Wasser am Gesicht herunterfließen kann, sowie über die Grenzen hinaus zu waschen [ebenso über die Ellenbogen und Fußknöchel hinaus].
  10. Sodann wäscht man die Hände und Arme einschließlich der Ellenbogen drei Mal, beginnend mit der rechten Seite. Auch hier sollte man, wie bereits bei Punkt 9 erwähnt wurde, über die Grenzen hinaus waschen, sprich einschließlich ein Teil des Oberarms. Wenn man einen Ring trägt, bewegt man diesen etwas, sodass Wasser drunter fließen kann. [Wenn das Wasser dennoch nicht die Haut unter dem Ring erreicht, so ist es verpflichtend, diesen abzunehmen.]
  11. Dann streicht man mit nassen Händen über den gesamten Kopf entlang. Man beginnt am vorderen Haaransatz und streicht mit gepaarten Händen, die Finger voneinander entfernt, die Fingerspitzen sich miteinander berührend und die Daumen an den Schläfen ansetzend, bis zum Nacken und kehrt mit den Händen auf die selbe Weise wieder an die Stelle zurück, an welcher man begann. Dies tut man drei Mal, jeweils mit neuem Wasser. Wenn man glatzköpfig ist, lange oder gepflochtene Haare hat, so ist es nicht empfohlen, die Hände wieder an den vorderen Haaransatz zurückzuführen.
  12. Anschließend wischt man mit mit neuem Wasser benässten Zeigefingerspitzen die Innenseite der Ohren, mit den Daumen die Außenseite der Ohren und danach mit den kleinen Fingern den Ohrkanal. Dies tut man ebenso drei Mal und benutzt bei jedem Mal neues Wasser.
  13. Zu guter letzt wäscht man die Füße einschließlich der Fußknöchel drei Mal, beginnend mit dem rechten Fuß, und geht mit dem kleinen [und nassen] Finger der linken Hand zwischen den Fußzehen durch, beginnend mit der kleinen Zehe des rechten Fußes und endend mit der kleinen Zehe des linken Fußes. Auch hier sollte man über die Fußknöchel hinaus waschen.
  14. Es ist ebenso Sunnah, die Handlungen in einem ununterbrochenen Ablauf durchzuführen, sodass kein Körperteil trocknet, bevor nicht ein weiterer zum wuḍūʾ-gehörender Körperteil gewaschen wurde.
  15. Wenn man sich bei der dreimaligen Waschung eines Körperteils unsicher ist, wie viele Male man ihn gewaschen hat, so geht man von der wenigsten gewissen Menge aus und wäscht diesen dann noch so viele Male, bis man drei Mal erreicht hat.
  16. Des Weiteren sollte man das Wasser nicht nur auf die zu waschenden Körperteile fließen lassen, sondern auch mit den Händen über sie gehen.
  17. Es gehört zum guten Benehmen, während des wuḍūʾ nicht zu sprechen, außer wenn notwendig. Was die Bittgebete für die einzelnen zu waschenden Körperteile betrifft, so werden sie nicht als eine Sunnah authentifiziert.
  18. Nach dem wuḍūʾ nimmt man die qiblah ein, hebt die Hände zum Himmel und sagt folgende duʿā auf:
    Ašhadu an-lā ilāha illā llāh, waḥdahu lā šarīka lahu, wa ašhadu anna Muḥammadan ʿabduhu wa-rasūluh. Allāhumma ǧ-ʿalnī mina t-tawwābīna wa-ǧ-ʿalnī mina l-mutaṭahhirīna wa-ǧ-ʿalnī min ʿibādika ṣ-ṣāliḥīn. Subḥānaka llāhumma wa-biḥamdik, ašhadu an-lā ilāha illā ant. Astaġfiruka wa-atūbu ilayk.

 

Quellen:

The Ship to Salvation, ʿAbd Allāh Muḥammad al-Marqūbī
Matn al-Ġāyah wa t-taqrīb, Mūsā Furber
Reliance of the Traveller, Šayẖ Nūḥ Ḥā Mīm Keller
Seekersguidance.com „Shafi'i Fiqh Course“, Šayẖ Umar Qureshi

 


  1. [1]Drei Mal bedeutet nicht einfach drei Mal Wasser rüberfließen zu lassen, sondern mit den händen auch alles nass zu wischen. Dies gilt als ein Mal. Wenn man diesen Vorgang noch mal zwei weitere Male durchführt, so hat man die Sunnah gänzlich erfüllt.

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