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Qurtubi Tafsir Sura 5 Ayat 44

Imam Qurtubi (Übersetzt von: M. F. Bayraktar) / 30.01.2016

Frage:

Auszug aus Tafsir al-Dschami‘ li-ahkam al-Quran des Imam Qurtubis Sura al-Maida (5) Ayat 44

Antwort:

{ وَمَنْ لَمْ یَحْكُمْ بِمَا أَنْزَلَ للهَُّ فَأوُلَئِكَ ھُمُ الْكَافِرُونَ ...}

„…Und wer nicht nach dem richtet, was Allah herabgesandt hat - das sind die Kuffar.“

und in den anderen Ayat heißt es: „das sind die Ungerechten [dhalim]; das sind die offenkundigen Sünder/Frevler [Fasiq].“[45;47] All diese Ayat wurden über die Kuffar offenbart. Dies wurde fundiert durch den Hadith im Sahih Muslim, der durch al-Bara kam und dieser Hadith wurde vorher schon zitiert.1

Die große Mehrheit trägt diese Ansicht. Der Muslim jedoch, wenn er große Sünden begeht, wird nicht einmal dann ein Kafir.

Es wird auch gesagt, dass sich in der Ayat eine Ellipse [Auslassung eines Wortes] befindet. Das heißt: Wer nicht mit dem richtet, was Allah subhanahu wa ta‘ala herabgesandt hat, mit der Absicht den Quran abzulehnen und die Worte des Gesandten abzulehnen – diese Person ist wahrhaftig ein Kafir. Dies sagten Ibn ‘Abbas radiyallahu ‘anh und Mudschahid radiyallahu ‘anh. Gemäß dieser Erläuterung ist die Ayat allgemein.

Ibn Mas‘ud und Hasan [al-Basri] sagen: „Diese Ayat – ob nun Muslim, Jude oder ob nun ein Maultier – ist allgemein auf jeden bezogen, der nicht mit dem richtet, was Allah subhanahu wa ta’ala herabgesandt hat.“ Das heißt, indem sie an die Richtigkeit dessen Glauben und auf diese Art ein anderes Urteil geben und denken, dies sei Halal.

Jener jedoch, der dies tut und daran glaubt, dass er eine Haram Tat begeht, nimmt Platz zwischen den Fasiqun innerhalb der Reihen der Muslime. Seine Situation ist Allah subhanahu wa ta’ala überlassen. Wenn Er subhanahu wa ta’ala will, straft Er ihn und wenn Er subhanahu wa ta’ala will, verzeiht Er ihm.

In einer Überlieferung über Ibn ‘Abbas heißt es, er habe gesagt: „Wer nicht mit dem richtet, was Allah herabsandte, dieser verübt eine Tat ähnlich den Handlungen der Kuffar.“

Es wurde auch gesagt: Wer alles, was Allah herabsandte, bei der Gesetzgebung ignoriert, diese sind die Kuffar. Wer jedoch mit dem Tawhid richtet und nur einige Schari‘ Gesetze auslässt, ist nicht in diese Ayat eingeschlossen.

Die erste Ansicht ist die richtige Ansicht. So ist es auch, dass Scha’bi sagte: „Diese Ayat wurde speziell über die Juden offenbart.“ Al-Nahhas hat ebenfalls diese Ansicht bevorzugt und sagte: „Es gibt drei Besonderheiten, die dies beweisen. Die erste ist, dass zuvor die Juden wie folgt erwähnt wurden: „…sie richteten damit zwischen den Juden…“. Deswegen bezieht sich auch das Pronomen auf sie. Die nächste Besonderheit, welche dies beweist, ist der Verlauf [der kommenden Ayat]. Denn danach heißt es: „Wir hatten ihnen darin vorgeschrieben...“ [46] Auch hier bezieht sich das Pronomen [ihnen] auf die Juden im allgemeinen. So sind auch die Juden jene, welche die Steinigung und die Vergeltung [Qisas] ablehnen.“

Wenn jetzt jemand widerspricht, indem er sagt: „Die Präposition weist auf eine Bedingung und solange sie nicht einer bestimmten Gruppe mit einem Beweis zugeordnet wird, ist sie für die Allgemeinheit gültig.“, diesem antworten wir dann wie folgt: „Die Präposition hier ist, betrachtet mit den von uns aufgelisteten Beweisen zusammen, „Derjenige, der…“ Das heißt, die Bedeutung der Ayat lautet demnach: „Die Juden, welche nicht mit dem Gesetz Allahs subhanahu wa ta’ala richten, das Er herabsandte, dies sind wahrhaftig die Kuffar.“ Dies ist auch die allerschönste Erläuterung die in diesem Thema gegeben wurde.

Überlieferungen zufolge wurde Hudhayfa radiyallahu ‘anh gefragt: „Sind diese Ayat bezüglich den Kindern Israels?“, und er antwortete: „Ja, sie sind über die Kinder Israels. Doch ich schwöre, ihr werdet ihren Weg genauso verfolgen, wie ein Paar Schuhe nebeneinander Spuren hinterlassen.“

„Dies sind wahrlich die Kuffar.“, dass damit die Muslime gemeint, „dies sind wahrlich die Ungerechten“, damit die Juden gemeint und mit: „dies sind wahrlich die offenkundigen Sünder [Frevler]“, die Christen gemeint sind, wurde auch als Ansicht gebracht. Abu Bakr ibn al- ‘Arabi bevorzugt diese Ansicht. Er sagt: „Dies ist, was man aus der äußerlichen Bedeutung der Ayat versteht.“ Dies ist auch die Ansicht, die Ibn ‘Abbas, Dschabir ibn Zayd, Ibn Abi Zaida, Ibn Schubrurna und Scha’bi bevorzugten.

[Jedoch beachte:] So sagten Tawus und andere: „Dies ist kein Kufr, der die Menschen aus der Din bringt, sondern es ist ein Art Kufr, die unter dem Kufr bleibt.“ [Kufr duna Kufr] Jedoch gibt es hier verschiedene Situationen. Wenn man mit einem eigenen Gesetz richtet und glaubt, dieses sei von Allah subhanahu wa ta’ala gekommen, dann ist dies etwas, was den Kufr notwendig macht, da es die Veränderung der Gesetze Allahs subhanahu wa ta’ala beinhaltet. Wenn er jedoch aus seiner Lust heraus und indem er sündigend andere Urteile für das Herrschen gibt, dann ist dies gemäß den Beweisen der Ahlu Sunnah wal Dschama’ah, welche das Fundament für die Vergebung der Sünder darstellen, eine Sünde, die vergeben werden kann. Al-Quschayri sagt: „Der Ansicht der Khawaridsch nach, ist jemand ein Kafir, wenn er Bestechungsgelder nimmt und ein anderes Urteil als das Urteil Allahs gibt. Diese Ansicht wurde ebenfalls al-Hasan und al-Suddi zugeschrieben.2“ So sagt al-Hasan auch: „Allah, der Allerhabene, hat von den Richtern drei Versprechen genommen, nämlich, dass sie nicht ihrem Gelüste folgen, die Menschen nicht fürchten sondern nur Ihn fürchten und die Verse Allahs subhanahu wa ta’alas nicht für ein wenig Geld verkaufen.“

 

1Muslim überliefert in seinem Sahih, dass al-Bara b. Azib folgendes sagte: „Zum Gesandten Allahs sallallahu ‘alayhi wa sallam wurde ein Jude gebracht, dessen Gesicht mit Kohle geschwärzt wurde. Der Gesandte Allahs sallallahu ‘alayhi wa sallam rief die Juden zu sich und fragte: „Findet ihr in eurem Buch etwas, dass dies die Strafe für jene ist, die Unzucht begehen?“, und als sie dies bejahten, rief der Gesandte einen ihrer Gelehrten und sprach: „Sprich im Namen des Herrn, der die Thora dem Moses herabsandte! Findet ihr in eurem Buch die Strafe für denjenigen, der Unzucht begeht, so?“ Der Mann verneinte und sagte: „Hättest du mich nicht auf diese Art schwören lassen, dann hätte ich es dir nicht gesagt. Wir lesen, dass die Strafe dafür die Steinigung ist, jedoch hat sich die Sünde der Unzucht zwischen unseren Geehrtesten verbreitet, und wenn wir einen von ihnen erwischten, dann haben wir ihn laufen lassen. Wenn wir aber Schwache fanden, dann richteten wir nach dem Gesetz. Dann sagten wir: Kommt und lasset uns gemeinsam ein Urteil finden, das wir an den Geehrten und an den Schwachen gleichermaßen vollziehen können. Dann haben wir anstelle der Steinigung das Schwärzen des Gesichts mit Kohle und Stockschläge bestimmt. Daraufhin sagte der Gesandte Allahs sallallahu ‘alayhi wa sallam: „O Allah! In einer Zeit, wo sie sich gegenseitig töten, bin ich der erste, der deine Befehle wieder auferstehen lässt.“, und befahl die Steinigung
der Person. Daraufhin offenbarte Allah: „O Prophet! Jene, die im Kufr schwelgen, sollen dich nicht bekümmern…“ bis hin zu „und wenn euch dies gegeben wird, dann nimmt es.“ Das heißt, dass sie sagten: Gehet zu Muhammed. Wenn er euch befiehlt, eure Gesichter mit Kohle anzuschwärzen und Stockschläge als Strafe anzuwenden, dann tut dies. Wenn er jedoch mit der Steinigung verurteilt, dann bewahrt euch vor ihm.“ Daraufhin offenbarte Allah: „Wer nicht mit dem richtet, was Allah herabsandte, dies sind wahrlich die Kuffar.“, „…die
Ungerechten.“, „…die Frevler.“ All diese Ayat beziehen sich auf die Kuffar.

2 …von den Khawaridsch und jenen, die ihrer Ansicht sind. Bemerke: „zugeschrieben“ ist eine Entkräftigung und keine Bekräftigung und spricht von einer Vermutung.

Quelle(n):

www.ahlu-sunnah.de:
www.ahlu-sunnah.de

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