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Das „Tanzen“ einiger Sufis

Scheich Ahmad ibn Muhammad ibn Adschiba al-Hasani / 10.01.2016

Frage:

Wie ist das „Tanzen“ einiger Sufis zu bewerten?

Antwort:

Tanzen ist in 3 Kategorien eingeteilt:

1. Das Verbotene
2. Das Erlaubte
3. Das Empfohlene

1. Die verbotene Art ist das Tanzen des gemeinen Volkes in Anwesenheit von Frauen und Jugendlichen. Dies kann zu Verderben und unkontrollierten niederen Trieben sowie zu den satanischen Manieren führen. Sein Sinn ist es, anzugeben und einen Zustand zur Schau zu stellen, der nicht Real ist. Dies ist auch verboten. Dies ist, warum gewisse Leute gesagt haben, dass das Tanzen verboten ist.2

2. Die erlaubte Art des Tanzens ist das Tanzen der Rechthandelnden und der Fuqara ohne Wadschd3 und Tawadschud4. Sie tun das als Erleichterung für ihre Seelen und damit sie ihre Herzen aufmuntern, aber dafür braucht man die passende Zeit, den passenden Ort sowie die passenden Brüder . Es nehmen weder Frauen noch Jugendliche teil. Dies ist erlaubt und verlangt kein Verbot, denn die Gründe für das Verbot des Tanzens wurden bereits genannt und der letztere Fall ist frei von diesen Gründen. Falls dieses Tanzen verglichen wird mit dem, was die Samiris5 taten, als sie das Kalb anbeteten, so sieht man, dass ihr Tanz verboten wurde weil er verdorben war. Ihre Absicht war es das Kalb zu vergöttern und zufrieden mit ihm zu sein. Dies ist Kufr [Unglaube]. Wenn ihr Tanz davon frei gewesen wäre, so wäre es ihnen nicht verboten worden.

Es ist bestätigt, dass Dschafar ibn Abu Talib [Radiyallahu anh] in Anwesenheit des Propheten [Sallallau alayhi wa sallam] tanzte, als dieser zu ihm sagte:

„Du ähnelst mir in meiner Gestalt und meinem Verhalten“6

Dies wurde von Scheich Sannusi in seinem Nusrat al-Faqir erwähnt.

Ibn Layun at-Tujibi sagte:

“Was das Tanzen in der Moschee angeht, es steht in sahih Muslim von Aischa [Radiyallahu anha] dass sie sagte:

Eine Armee kam von Äthiopien, Trommel spielend am Tag des Festes in der Moschee. Der Prophet [Sallallahu alayhi wa sallam] lud mich ein und ich legte meine Hände auf seine Schultern und schaute ihnen beim Spiel zu.“7

Ibn Uyayna sagte, dass „zafaf“ – tanzen bedeutet. So ist es bestätigt, dass das Tanzen erlaubt ist. Wenn es in sich verboten gewesen wäre, dann wäre es nicht in der Anwesenheit des Gesandten Allahs [Sallallahu alayhi wa sallam] gemacht worden.

3. Die Art des Tanzes welche empfohlen ist, ist der Tanz der Sufis, die Leute des Dhawq8 und Hal9 ob sie nun in Wadschd oder Tawadschud Zustand sind, ob es während des Dhikr gemacht wird, oder während des Sama10 Al-Fasi sagt in seinem Scharh al-Hissn, dass Scheich al-Islam as-Suyuti sagte: „Wie kann man verurteilen, dass man Dhikr macht während man steht, oder dass man steht während man Dhikr macht, wenn doch Allah der Erhabene sagt: „die Allahs gedenken im Stehen und im Sitzen und (Liegen) auf ihren Seiten“ [3:191]. . Es gibt keinen Zweifel, dass die Heilung des Herzens von der Unachtsamkeit durch jedes mögliche Mittel gesucht wird, solange diese nicht verboten sind und zwar durch klare und eindeutige Aussagen über das Verbot. Wir kennen die Rede von al-Dschunayd als er über sama‘ gefragt wurde: Alles was der Diener mit seinem Herren zusammenbringt ist erlaubt.

Al-Fasi sagt in seinem Scharh al-Hissn, dass Scheich al-Islam as-Suyuti sagte:

„Wie kann man verurteilen, dass man Dhikr macht während man steht, oder dass man steht während man Dhikr macht, wenn doch Allah der Erhabene sagt:

„die Allahs gedenken im Stehen und im Sitzen und (Liegen) auf ihren Seiten“ [3:191].

Unter diesen Leuten waren grosse Imame, und einer von ihnen war der Scheich al-Islam Izzuddin ibn Abdul salam14
Und wie es in der Ihya erwähnt wird, dies wird auch bestätigt von dem Hadith, überliefert von Aischa [Radiyallahu anha], mit den Leuten aus Äthiopien, welche tanzten. Der Prophet [Sallallahu alayhi wa sallam] sagte zu ihr: „Würdest du gerne dem Tanz der Äthiopier zuschauen?“ Ibn Zakir erwähnt es in dem Kommentar der Nasiha.

Es ist aus früheren Zeiten überliefert, aus dem Osten und dem Westen, dass die Sufis es pflegten sich zu treffen um Allah zu gedenken und dabei standen und tanzten. Es ist nicht überliefert, dass einer der würdigen Gelehrten sie ablehnte. Ich habe in Fez, in der Zawiyya von as-Siqilliyyin, eine Gruppe gesehen, die Dhikr machte und dabei tanzte vom Asr am Tag des Dschuma, bis zum ischa, mit vielen Gelehrten um sich herum. Keiner von ihnen lehnte ab was sie dort taten. Mir wurde gesagt, das unser Scheich, der Scheich der Gruppe von Sidi at-Tawdi ibn Suda es pflegte manchmal mit ihnen zusammen zu sein.

 

Fussnoten:

2 Imam Nawawi sagte: „Tanzen ist nicht verboten, solange es nicht apathisch ist, wie bei den femininen/verweichlichten Männern. Und es ist erlaubt Poesie zu zitieren oder zu singen, solange es nicht verspottend, obszön, oder einer bestimmten Frau gewidmet ist.“ [Minhadsch al-Talibin wa umdat almuttaqin]
3 Wadschd: Das ist das Gefühl was im Herzen vorkommt und es heftig schüttelt ohne voriges
Nachdenken und ohne dass es von der jeweiligen Person gewollt ist. Dieses Gefühl, kann zum Weinen, Schweigen, Ohnmacht, Hüpfen usw. führen. Die Gelehrten sind der Meinung die unkontrollierte Reaktion auf den Wadschd ist ein Merkmal der Anfänger.
4 Tawaduschd: Wadschd mit Absicht und Anstrengung erregen.
5 Hier sind die Juden gemeint die das Kalb anbeteten haben, nach dem Mose für eine gewisse Zeit nicht unter ihnen war.
6 Ali [Radiyallahu anh] sagte: „Ich besuchte den Propheten mit Dschafar (ibn Abi Talib) und Zayd (ibn Haritha). Der Prophet sagte zu Zayd: „Du bist mein Freigelassener“ [anta mawlay], woraufhin Zayd anfing auf einem Bein um den Propheten herum zu hüpfen. [hadschala]. Der Prophet sagte dann zu Dschafar: „Du ähnelst mir in meiner Gestalt und meinem Verhalten“, woraufhin Dschafar anfing hinter Zayd herzuhüpfen. Der Prophet sagte dann zu mir: „Du bist ein Teil von mir und ich bin ein Teil von dir.“ Woraufhin ich hinter Dschahar herhüpfte.“ Imam Ahmad überliefert es in seinem Musnad [1:108] und Ahmad Muhammad Schakir stufte es als authentisch [sahih] ein in seinem Riyadh. Es wird auch von Uqayli, Abu Nuaym von Dschafar, und Ibn Sad in seinem tabaqat mit einer authentischen Kette zu Muhammad al-Baqir überliefert. [Scheich GF Haddad sagt es ist eine gesunde Überlieferung von Ali durch Imam Ahmad in seinem kürzlich erschienenen Buch „Sunna Notes“.]
7 Sahih Muslim, Hadith 1483 Kapitel über das Festgebet. Der Hadith wurde auch von Imam Ahmad überliefert mit dem folgenden Wortlaut: Die Abessinier spielten vor dem Propheten  und sie tanzten und sagten: Muhammed ist ein Guter Diener . Der Gesandte Allahs  fragte nach was sie sagten. Man antwortete ihm, sie sagen : Muhammed ist ein guter Diener.
8 Dhawq ist die innere Wahrnehmung einer Wahrheit. Dhawq wird oft mit „Geschmack“ übersetzt, damit ist aber ein spiritueller Geschmack gemeint. Man kann einen Dhawq gegenüber den Wahrheiten die im Quran sind entwickeln, sodass man diese Wahrheiten genießen kann. Ahlu Dhawq sind die Leute die diese Wahrnehmungsstufe erreicht haben.
9 Hal ist ein Gefühl was im Herzen ungewollt vorkommt. Der Hal kann ein Glücksgefühl als auch ein Trauergefühl sein, Sehensucht, Kummer sowie andere Gefühle, derer Gründe man nicht kennt, sie kommen plötzlich vor. Ahl Al-Ahwal sind die Kenner von diesen Gefühlen und die Kenner von der Ethik, die man haben soll bei jedem Gefühl. Ahl Al-Ahwal ist auch eine Bezeichnung für die Ahlu At-Tasawwuf
10 Sama wird bei den Sufis so verstanden als „das Gute zuhören“. Wenn man die Sinne der Worte versteht dann ist man in Samaa Zustand. Die Sufis pflegen Ermahnungen und Gedichte über Allah, seinen Gesandten oder Gedichte über das Verpönen der Dunya zu hören. Das Zuhören dieser Gedichte, die oft mit melodisch vorgetragen werden nennt man Samaa. Beim Zuhören und wenn die Sinne die Herzen treffen so kann es passieren, dass manche in Wadschd geraten.
11 Sahih Muslim, 1.282:373
12 in vielen Quellen, wie z.B. im Musnad al-Imam Ahmad 1.108, mit einer hasan Überlieferungskette
13 Al-Hawi lil Fatawi 2.234
14 Es ist authentisch überliefert, dass al-Izz ibn Abdul Salam „der Sama begewohnt hat und teilgenommen hat in Zuständen der Verzückung.“ Überliefert von Ibn al-Imad, Schadharat al-Dhahab 5:302; Ibn Schakir al-Kutabi, Fawat al-wafayat 1:595; al-Yafii, Mirat al-Dschinan 4:154; al-Nabhani, Dschami Karamat al-Awliya 2:71; Abu al-Saadat, Tadsch al-Maarif S. 250. Imam Ibn Hadschar al-Haytami erwähnt auch: „Es ist erlaubt zu Stehen und zu Tanzen in Versammlungen des Dhikr und Anhörungen, nach einer Gruppe von grossen Gelehrten, unter ihnen Scheich ul Islam Ibn Abdul Salam.”, Fatawa Hadithiya S. 298

Quelle(n):

www.ahlu-sunnah.de

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